Die Helden der zweiten Reihe – Organisten (inkl. Quizfragen)

–> Einführung

Die Hammond B3 (bzw. C3 oder A100) – die Königin der Instrumente!
Hammond b3 con leslie 122Der Sound der B3 samt Leslie und ihn virtuos nutzende Legenden wie Keith Emerson, Jon Lord (RIP; er war der Größte!) und Brian Auger (mit den coolsten Harmonien ever) moti­vier­ten mich in grauer Vorzeit überhaupt erst zum Musikmachen; deshalb ein gesonderter (und längerer) Beitrag über Organisten statt allgemein über Keyborder.
❓ Quizfrage an die Experten:
Was ist an der abgebildeten B3 (Vergrößerung per Klick) so außergewöhnlich? 🙄

Sean Hopper (Huey Lewis & The News):
Der Prototyp des des US-Mainstream-Rock-Orglers: amtlich-geiler Sound (Ami-Hammonds klingen aufgrund der dortigen Stromfrequenz von 60 Hertz angeblich besser als an 50 Hz angepasste europäische), geschmackvolles, band-dienliches Spiel ohne Solo-Exzesse, aber trotzdem mit der gebotenen Virtuosität. Leute wie Hopper sind nicht alles, aber ohne sie wäre das alles nichts – auch Knautschgesicht Huey nicht.

-> Sean Hopper Discography
-> ‚Hip To Be Square‘, offiz. Video. Vor allem gen Ende sehr organisch! 🙂

Danny Federici (RIP) (E-Street Band)
gehörte im Prinzip ebenfalls in die o.a. Kategorie; Springsteen ohne Federici klingt nach 40 Jahren (!) Zusammenarbeit irgendwie nur halb so gut. Stilbildend war Federici allerdings jenseits der Hammond durch den Einsatz eines (Keyboard-) Glockenspiels, sonst nicht so das Power-Instrument im Rock – außer bei Joe Jackson.

-> ‚Hungry Heart‘ live – mit BAP??? NEE! Da dient m.E. die Studio-Aufnahme
als Soundtrack. Jedenfalls mit Original-Glockenspiel und -Orgelsolo.
-> ‚Hungry Heart‘ live, mäßige Qualität, aber authentischer als das andere Video.

Gregg Rolie (Santana):
Warum wurde die Band nicht nach ihm benannt? Sein Anteil am frühen Santana-Sound war immens, und auch er war eines meiner Idole. OK, Carlos erkennt man hörtechnisch spätestens nach dem ersten Ton, aber auch Rolie hat seinen speziellen Stil. Jedenfalls ging es nach seinem Ausstieg – nach Caravanserai – mit Santana musikalisch steil bergab.

-> ‚Soul Sacrifice‘, Studio-Version. Was wäre das ohne Rolie?
-> ‚Soul Sacrifice‘, Woodstock. Sonderlob für Drummer Michael Shrieve!
-> ‚Oye Como Va‘ live, B3-Solo ab 7:35

Gregg Allman (Allman Brothers Band)
stand sein Leben lang immer etwas immer Schatten seines bereits 1971 bei einem Motorradunfall gestorbenen Bruders, der Gitarren-Legende Duane. Dabei hat er in seiner Doppelrolle als Organist und bluesiger Sänger die Band mindestens genauso geprägt. Allman’s Hammond-Sound und -Stil tendiert eher zum Sinuston-Sahnigen als zum Kratzigen; geht runter wie Öl.

-> ‚In Memory of Elizabeth Reed‘, live at the Fillmore, 1970, Orgelsolo ab 3:52
OK, nicht so die Mörder-Qualität. Aber das sollte man eh auf Tonträger haben!
-> ‚Stormy Monday Blus‘, live mit Eric Clapton
Das Video ist neueren Datums, der Allman Brother älteren. 😀

Rhoda Scott:
Nach so vielen Amis nun zu etwas völlig anderem: einer Amerikanerin in Paris – und mal wieder Jazz. Mit ‚Jazz-Orgel‘ assoziiert Otto Normalhörer vermutlich Jimmy Smith, und das war’s auch schon. Dabei treten sich auch in diesem Bereich in den USA Hunderte / Tausende (?) genialer Musiker gegenseitig auf die Füße. Rhoda Scott hat, wie schon viele vor ihr, die Konsequenzen gezogen.

1967 zog sie nach Frankreich, wo der Erfolg weit größer war als in den Vereinigten Staaten. Sie trat im Pariser Olympia auf und stand mit vielen Größen, wie Ray Charles, George Benson, Ella Fitzgerald, Kenny Clarke und Gilbert Bécaud auf der Bühne. …
Arthur Rubinstein nannte sie „eine große, eine sehr große Virtuosin“.
(Wikipedia mit kleinen Korrekturen meinerseits)

Was Scott (*1938!) jedoch von anderen Virtuosen abhebt, ist ihre unglaubliche Power. Nirgends wird diese deutlicher als im Duo mit der ebenfalls hervorragenden Barbara Dennerlein (*1964). Selbst im nachfolgend verlinkten Video, wo Dennerlein nicht so cool-distanziert agiert wie sonst, wirkt Rhoda Scott vergleichsweise wie ein junger Vulkan. Da ist einfach mehr Soul drin! Man beachte auch die Barfußarbeit auf dem Basspedal (8:20)! Fünf ❤ ❤ ❤ ❤ ❤ !

-> ‚Nova‘ von Rhoda Scott, live mit Barbara Dennerlein
-> Rhoda Scott Homepage mit vielen Musikbeispielen

Jean-Jacques Kravetz (u.a. Frumpy, Atlantis, Lindenberg, Maffay)
Und damit zu einem Pariser in Hamburg, der in D’land durchaus bekannt ist, aber im Vergleich zu den dt. Superstars Udo und Peter trotzdem – unverdient! – immer in der zweiten Reihe stand / saß.
JJ Kravetz ist hierzulande schlicht die Instanz des Hammond-Spiels – und das schon seit fast 50 Jahren. Unvergessen seine tour de force durch Frumpy’s How the Gypsy Was Born, die ebenfalls ein wesentlicher Impuls zum Selberorgeln für mich war. Da wird von der Kunst der Fuge bis zur brachialen Perkussion alles geboten. WAAAHNSINN!

-> Frumpy: ‚How The Gypsy Was Born‘. Orgelsolo ab 4:55!
-> JJ Kravetz Homepage

❓ Quizfrage an die wahren Experten:
Aber was für ein Hammond-Modell bearbeitet der Maestro da eigentlich? Eine B3 oder nahe Verwandte ist es ausnahmsweise nicht, sondern ein kleineres, sog. Spinett-Modell. L100? T200? Wer bietet mehr? 🙄

Ken Hensley (Uriah Heep)
Last but not least der Brite mit dem wohl kratzigsten / rotzigsten Hammond-Sound überhaupt. Zwar ‚litt‘ auch Jon Lord’s Hammond stets unter ziemlichen ‚Zerrungen‘, aber er setzte das Leslie eher sparsam ein. Hensley dagegen hat beide Sorten: Röhren-Zerr UND Leslie-Quirl. Und ab geht die Lucy!

-> ‚July Morning‘ live
-> ‚Easy Livin‘ live
-> UH Live in Birmingham, ‚Doppel-LP‘ ohne Bilder,
aber mit einem der genialsten Konzert-Intros der Rockgeschichte.
Und das Rock’n Roll-Medley am Schluss … BOAH, waren die GUT!

Über Querdenkmaler

Berufe: Jurist, Musiker, IT-Berater. Hobbies: Web-Aktionismus (seit 1999), Musik, Geschichte, Linguistik, Strategiespiele.
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10 Antworten zu Die Helden der zweiten Reihe – Organisten (inkl. Quizfragen)

  1. Parabellum schreibt:

    Uriah Heep gehörte auch zu meinen Heroen des Hard Rock in den frühen Siebzigern. Großen Anteil hat speziell Ken Hensley daran, der auch nach meiner Meinung zu einem der auffälligsten Tastendrücker seiner Zeit zählt.

    Zwei Anmerkungen zu „July Morning“.
    1) Auf der 71’er Studio-Langrille „Look at Yourself“ bedient Hensley bei dem genannten Titel NICHT die Tasten, sondern eine in Südafrika gebürtige Musikikone mit einem deutsch klingenden Namen – Manfred Mann. Ken Hensley schreibt zu „July Morning“ auf dem Plattencover: „It is one of our most recent compositions and is developing into a strong ‚live‘ number. David’s vocal is particularly strong here and Manfred appears for the the first time with his Moog, adding some really nice colours to the final sequence – Close side one.“
    2) partielle Kritik zur verlinkten Liveaufnahme: Bereits die Studioversion wird offiziell mit 10:09 min angegeben, aber die vorgestellte Aufnahme wird glatt bei 10:00 min böse ausgeblendet. Schade!

    VG von P aus C

    Gefällt 1 Person

    • Querdenkmaler schreibt:

      Zu 1) Definiere ‚die Tasten‘. Der Mann aus Südafrika spielt bei ‚July Morning‘ den Moog, und er ist einer der verdammt besten Moog-Spieler aller Zeiten; habe die Earth Band mehrmals live genossen. Aber die B3-Orgelei, um die es ja hier geht, ist hörbar von Hensley; warum sollte er auch bei einem selbst kompost komponierten Stück auf jede Mitwirkung verzichten?

      Zu 2) Tja, die Suche nach geeigneten Beispiel-Videos ist bei weitem das schwierigste Unterfangen bei dieser Artikelreihe:
      alt und original vs. besseren Sound bei neueren Live-Aufnahmen, bewegte Bilder vs. Sound bei Studioaufnahmen mit Plattencover-Still usw. etc. pp. Hat mich gerade bei diesem Post ca. einen Tag gekostet. Und natürlich bin ich für jeden besseren Vorschlag dankbar. 🙂

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  2. Parabellum schreibt:

    nach einmal zu 1) weil es die deutsche Wiki so geschrieben hat ;-). Da ist sie wohl zu ungenau, denn es steht: „Die Keyboards in July Morning spielte Manfred Mann.“
    Im Ernst, ich habe die Platte (Bronze Music im Ariola-Vertrieb, mit Spiegelfolie!) vor ca. 30 Jahren auf einem der viel besuchten DDR-Schallplattenmärkte für einen dreistelligen Betrag (vor dem Komma!) erstanden und bis heute das Mitwirken von Manfred Mann auf „Look at Yourself“ noch nicht einmal bemerkt. Sehr unaufmerksam von mir.
    Die englische Wiki wird konkreter: „Manfred Mann played minimoog solo in the Uriah Heep song July Morning“.
    Also wirst Du wohl recht haben, dass beide Musiker am Song beteiligt sind.

    VG von P aus C

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  3. Parabellum schreibt:

    July Morning: Die Suche nach einem adäquaten Link war kurz und erfolgreich. Ich schicke ihn Dir per E-Mail. Im Prinzip das gleiche Video, jedoch nicht ausgeblendet. Dafür mit Abspann und gleichmäßig auf eine Länge von 11:47 min verteilt.

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  4. Parabellum schreibt:

    Zur Quizfrage B3: Ich kenne mich mit Instrumenten nicht aus. Das einzig auffällige für mich ist, dass am abgebildeten Instrument vorn rechts (unterhalb der Tasten) so eine Art, man möge mir verzeihen, „Getränkehalter“ installiert ist :-).

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    • Querdenkmaler schreibt:

      so eine Art … “Getränkehalter” installiert ist

      😆 , der war gut! Manche denken aber auch immer nur an das eine. 😛
      Es handelt sich um den sog. half moon switch zur Steuerung der Leslie-Geschwindigkeit:

      Und doch steckt in deiner Maximalexpertise-Antwort die richtige Lösung in Gestalt zweier Wörter! 🙂

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