Einführung: Sprache, Linguistik und Ignoranz

Ab jetzt geht es hier verstärkt auch um Sprache, eines der ältesten und immer noch das raffinierteste Werkzeug der Menschheit – trotz Apple Watch. 😉
Sicher, viele Tiere kommunizieren ebenfalls mit Lauten; aber deren Wortschatz und Grammatik sind doch vergleichsweise eingeschränkt, und mit dem Aufschreiben hat es auch nie so recht geklappt.

Frei nach einer alten Weinbrand-Werbung: Wenn einem so viel Ausdrucks­möglichkeit wird beschert – das ist schon eine Wissenschaft wert. Diese Sprachwissenschaft nennt man auch Linguistik – grundsätzlich eine ebenso seriöse wie spannende Disziplin. Herausragende deutsche Linguisten waren / sind z.B. Peter von Polenz mit seiner ‚Geschichte der deutschen Sprache‘, Peter Eisenberg und Peter Schlobinski. Übrigens muss man trotz dieser Korrelation natürlich nicht Peter heißen, um sich fundiert mit Sprache zu beschäftigen. 😉

Wohl aber sollte man sich wenigstens etwas damit auskennen! Kurioserweise fühlen sich jedoch viele Sprach-User berufen, ihre mehr oder minder schrägen Ansichten / Erkenntnisse ins Web zu drapieren, obwohl ihnen selbst die very basics fehlen. ‚Ich benutze doch Sprache täglich; also weiß ich auch darüber Bescheid.‘ Jagutichsachma: Dem ist nicht so. Die meisten fahren auch täglich Auto; trotzdem können die wenigsten dessen Mechanik / Elektronik analysieren.

Zwei wunderbare Ignoranz-Beispiele, die von ihren Autoren unbedingt ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden mussten:

Albanisch ist weder eine slawische noch eine romanische Sprache, sondern eine indogermanische – und klingt deshalb sehr ungewohnt. (welt.de) fail50

Richtig, Albanisch gehört weder zu den slawischen noch zu den romanischen Sprachen (hat allerdings viele Lehnwörter aus diesen übernommen). Auch richtig: Es ist eine eine indogermanische Sprache. Aber doch nicht „sondern“! Ja, sie klingt sehr ungewohnt (für Deutsche – für Albaner eher nicht). Aber doch nicht „deshalb“! Gäbe es hier eine Kausalität, müsste auch Deutsch für uns „ungewohnt“ klingen, denn dies ist – na, hoppla – natürlich ebenfalls indogermanischen alias indoeuropäischen Ursprungs, genauso wie slawische, romanische und etliche vorder- / mittelasiatische Sprachen.

Auch genial: unsere Freunde vom Verein für Sprachnationalismus und Antiamerikanismus:

Laut norwegischen Linguisten Jan Terje Faarlund von der Norwegischen Akademie der Wissenschaften und seines tschechischen Kollegen Joseph Emmonds von der Universität Oslo, stamme das Englische nicht von der germanischen Sprache ab, sondern von der Sprache der Wikinger. (VDS-Falschinfobrief) fail50

Dass die heroischen Kämpfer für korrektes Deutsch den fehlenden Artikel hinter ‚Laut‘ durch ein überflüssiges Komma hinter ‚Oslo‘ ersetzt haben, wundert den Kenner nicht wirklich. Richtig ist jedoch: Englisch stammt nicht von der germanischen Sprache ab – denn die germanische Sprache (Singular) gibt es nicht. Es gibt den germanischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen, z.B. Gotisch (leider mitsamt den Sprechern ausgestorben), lustige Halskrankheiten wie Niederländisch und Schwyzerdütsch, die lingua franca Englisch, Deutsch (vermutlich sogar Bayrisch 😉 ), alle größeren skandinavischen Sprachen außer Finnisch …
Uppsala! „…, sondern von der Sprache der Wikinger“? Ja, in welchem Idiom parlierten Hägar & Co. denn wohl? Etwa Alt(west)nordisch, also GERMANISCH? Mannomann …

Heißer Tipp an derlei Experten: Nicht nur Ihr Hund hat einen Stammbaum, sondern auch die Sprachen (aufs Bild klicken):

Klick mich!

Der Wikipedia-Baum bietet noch mehr Zweige, aber auch mehr Unübersichtlichkeit.

So weit, so ärgerlich. Dennoch waren dies die guten Nachrichten über sprachliche Falschmeldungen. Peinlicherweise gibt es aber auch eine kleine, aber medial lautstarke Minderheit unter den Linguisten, d.h. Leuten, die es eigentlich besser wissen müssten, die zugunsten einer verquasten Gutmenschenideologie so ziemlich sämtliche Erkenntnisse der eigenen Wissenschaft über Bord werfen. Dazu demnächst mehr.

Über Querdenkmaler

Berufe: Jurist, Musiker, IT-Berater. Hobbies: Web-Aktionismus (seit 1999), Musik, Geschichte, Linguistik, Strategiespiele.
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