[Musik] Like A Vomited Stone

Vorweg in eigener Sache:

zappameme

Wer weiß, wie das Originalzitat lautet, gewinnt ein app-gesteuertes Designer-Nichts im Werte von 0.000.000 Euro!

Nun aber zum Anlass des neuerlichen Schaffensdrangs:
dem denkwürdigen Auftritt eines gewissen Robert Zimmerman aka Bob Dylan in der David Letterman-Show, vermutlich 1998. Dieser Post wurde übrigens unter erschwerten Bedingungen, nämlich permanenten hysterischen Lachanfällen, verfasst!

Da ist also eine – bis auf die Sängerinnen – wirklich geile Allstar-Band in annähernder Bataillonsstärke u.a. mit Jim Keltner, Edgar Winter, Emmylou Harris usw. pipapo. Besonders freudig-enthusiastisch bei der Arbeit sind Pianistin Carole King und erst recht der zur Ekstase auflaufende mutmaßliche Finanzbeamte aka Paul Shaffer an der Hammond B3. Gefällt mir! Performed wird ein Song, der urspünglich ‚Like A Rolling Stone‘ hieß und natürlich vom Maestro höchstselbst stammt.

Dieser betritt unter freundlichem Applaus die Bühne, schnallt sich die Klampfe um … und beginnt irgendwann zu … hihihihi … sing … prust … Töne ins Mikro zu imittieren. Aber nicht viele! D.h., doch, schon viele, aber nicht viele verschiedene!
OK, Dylan war nie ein Caruso – aber wie er die eh schon schlichte Melodei seines Songs, die sich im wesentlichen innerhalb einer Quinte abspielt, hier mit geballter Bocklosigkeit, vergrätzter Wutbürger-Attitude und misanthropischer Hangover-Mimik gnadenlos nölend verstümmelt, ist absolut dreist. Oder genial. Oder irgendwas dazwischen. Jedenfalls – gnihii – urkomisch. Immerhin steigert er die Anzahl verschiedener Töne gen Ende von 3 auf ca. 5 – was natürlich nicht heißt, dass er sie auch trifft! Seitdem träume ich von Carole King ‚am Gesang‘.

 

Die Lyrics kennt man ja. Muss man auch! Denn Seine Nuscheligkeit übertrifft sich auch in puncto Nicht-Artikulation selbst. Höchstens Loriots angeblich sprechender Hund („Otto Kohl holt …“) oder Weißes Rauschen (YT, Lautstärke zurückregeln!) erreichen annähernd den Undifferenziertheitsgrad Dylan’scher Schallereignisse. Das Gerücht, der Barde habe den Literaturnobelpreis erhalten, weil niemand seine Texte verstehe – bildungs­bürgerlich ein Nachweis höchster Kunst -, ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen.

So. Da während des Schreibens die ganze Zeit das Video im Fenster lief, habe ich jetzt Bauchmuskelkater. ‚Lachen mit Zimmerman‘ – wäre eigentlich ein schöner Titel für ’ne ZDF-Comedy-Serie.

Über Querdenkmaler

Berufe: Jurist, Musiker, IT-Berater. Hobbies: Web-Aktionismus (seit 1999), Musik, Geschichte, Linguistik, Strategiespiele.
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7 Antworten zu [Musik] Like A Vomited Stone

  1. Parabellum schreibt:

    „Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch“ (Frank Zappa aus: „Be-Bop Tango (Of The Old Jazzmen’s Church)“ auf dem Live-Album „Roxy & Elsewhere“).
    OK, ich mußte etwas mit G**gle nachhelfen, aber Zappa hab ich gleich erkannt.

    Nach mehrmonatiger Schreib-Abstinenz bist Du so kurz vorm Jahreswechsel richtig in Schwung gekommen und hast mit dem Dylan-Beitrag endlich mal wieder meinen Nerv getroffen.
    Dylan war für mich in den Siebzigern interessant und hörenswert. Aber irgendwann dämmerte es auch mir, dass er musikalisch/gesangstechnisch nicht die größte Leuchte ist (was er hier eindrucksvoll unter Beweis stellt).
    Bei mir zwischenzeitlich völlig in Vergessenheit geraten hat ihn nun das Nobelpreis-Komitee wieder ausgebuddelt. Theoretisch ein Grund zum Jubeln (für Dylan!). Aber bei seinen darauf folgenden (zunächst völlig ausbleibenden) Reaktionen denke ich wieder: Was für ein komischer Kauz! Ist das nun schon Altersweisheit oder -starrsinn?

    Komm gut ins neue Jahr!

    VG von P aus C

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    • Querdenkmaler schreibt:
      1. Zappa:
        Nun ja, er hat mal einen literarisch anspruchsvollen Text auf Deutsch geschrieben – aber das Jazz-Zitat definitiv nicht. Ich habe das Album, und er sagt: „Jazz is not dead! It just smells funny“.

      2. Dylan:
        „Gesangstechnisch nicht die größte Leuchte“ ist überaus wohlwollend formuliert. Muss man aber auch nicht sein! Paul McCartney z.B. ist in dieser Hinsicht auch ziemlich limitiert, und trotzdem wirkt z.B. „The Long And Winding Road“ auf mich gerade aufgrund dieser vokalistischen Schlichtheit anrührend. Bloß was Dylan hier darbietet, ist einfach unprofessionell und eine Unverschämtheit dem Publikum gegenüber.
        Musikalisch hingegen war (!) er durchaus eine Leuchte; ‚Like A Rolling Stone‘ gehört für mich zu den Top-10-Songs aller Zeiten, was allerdings auch an dem genialen Arrangement mit Piano und Orgel liegt. Nicht umsonst gehören seine Frühwerke zu den meistgecoverten Stücken der Rockgeschichte.
        Aber wieder eine Parallele zu McCartney: Jenseits der 35 ist er kompositorisch im Mittelmaß versunken.

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  2. Parabellum schreibt:

    „wohlwollend formuliert“ ist meine Absicht. Schließlich steht es mir nicht zu, dessen eigenes musikalisches Können sich lediglich auf das Abspielen von Vinyl oder gespeicherten Daten beschränkt, darüber den Dirigentenstab zu brechen.
    Dein Vergleich mit McCartney ist zutreffend und kann auf die graue Masse der im Rock- und Popbereich schaffenden Lebenskünstler beliebig ausgedehnt werden.
    So richtig aus den Socken gehauen hat mich in meinem bevorzugten Genre (Hard & Heavy) schon lange kein Künstler mehr. Das letzte mal ist das 2000 passiert, als ich auf einer Promo-CD einer Musikzeitschrift erstmals die finnische Band Nightwish hörte. Am Mikro: Tarja Turunen – eine im klassischen Gesang ausgebildete Sopranistin. Die Kombination von Sopran und Symphonic-Metal war für mich damals deeer Knaller. Und ich erfreue mich nach wie vor daran \m/ .

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  3. Querdenkmaler schreibt:

    Wenn ich auf YouTube vom Höppsken aufs Stöcksken komme, haut es mich auch heute noch täglich aus den Socken. Es gab in den letzten Jahren eine Riesenwelle genialer oder zumindest handwerklich herausragender junger MusikerInnen (ausnahmsweise gegendert, weil gerade Frauen besonders im Kommen sind, und das ist gut so).
    Beispiele, über die ich evtl. demnächst ausführlicher berichte werde:
    Jacob Collier, Tal Wilkenfeld, Cory Henry, Nikki Glaspie.
    Um es mit Berti Vogts zu sagen: „Die Breite in der Spitze wird immer dichter“.

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  4. Parabellum schreibt:

    „Wenn ich auf YouTube vom Höppsken aufs Stöcksken komme, …“ Mann oh Mann, Bielefelder Umgangssprache. Und ich habe immer gedacht, Bielefeld existiert gar nicht …
    Egal, ich werde die von Dir genannten Tanten auf ihre musikalische Alltagsgebrauchsfähigkeit hin testen. Vielleicht ist sogar etwas für meinen Geschmack dabei…

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  5. Pingback: [Musik] Die Heldinnen der zweiten Reihe – Tal Wilkenfeld (b) | Querdenkmal

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