[Zeitgeschehen, Gastbeitrag] Fürchte Dich nicht!

Ein Gastbeitrag des Facebook-Autors Sahin Karanlik, den ich wegen seiner klaren Kante sehr schätze, zum Dauerbrenner ‚Angst‘:


Deutschland in Angst!
Obwohl die Straftaten stetig zurückgehen, wird die Angst immer größer. Sie kaufen Pfefferspray, machen den kleinen Waffenschein und sind bereit, wenn der Ausländer angreifen sollte.

Jeden Augenblick könnte er um die Ecke springen. Der Flüchtling oder der Nafri. Und ihnen ihr Handy klauen oder ihnen zwischen die Beine greifen.
Angst! Titelte schon die BILD-Zeitung. Andere haben die Prozentzahlen parat, wie viele deutsche Frauen sich fürchten. „Wir sind nicht mehr sicher!“, wird hysterisch gerufen. Andere trauen sich nicht mehr aus dem Haus.

Angst ist inzwischen wie eine Sucht. Wie eine Droge. Wir werden täglich damit gefüttert und gieren nach mehr.
Wir sehen etwas in den Nachrichten oder auf Facebook, ob es nun stimmt oder nicht, und wir haben Schiss, dass uns das Gleiche passieren könnte.

Ich sehe täglich ältere Frauen, die ihre Geldbörsen in ihre Handtaschen stopfen mit immer dem gleichen Spruch und mit der gleichen zitterigen Stimme: „Man muss ja heute so aufpassen“.
Natürlich musst Du aufpassen, Du bist ein erwachsener Mensch. Pass auf Deine Sachen auf. Stecks gut weg, aber was machst Du dir so eine Scheißangst? Dass sie Dir Deine Brieftasche mit 100 Euro klauen oder Dein altes Kackhandy?
Ich wäre echt bereit 100 Euro zu zahlen, um solche Ängste loszuwerden. Aber ich habe diese Ängste nicht. Gut, ich habe auch keine 100 Euro.

Die ständige Furcht. Der Fremde. Er will unseren Wohlstand, unsere Arbeitsplätze, unsere Frauen!
Noch nie eine Frau gehabt, befürchtet aber, dass sie ihm jemand wegnehmen könnte. Der Ausländer. Der nimmt einem ja sowieso alles weg.
Vielleicht hat er auch nur deswegen keine, weil sie ihm der Ausländer schon weggenommen hat. Also denkt er sogar beim Onanieren nur „Scheiß Ausländer!“, statt dabei an die Frau zu denken, die er haben könnte, wenn sie ihm der scheiß Ausländer nicht weggenommen hätte.
Vielleicht hast Du auch nur keine Frau, weil du Schiss hast eine anzusprechen.

Leute, die Deine Angst schüren, interessieren sich nicht für Dein Wohlbefinden oder für Deine Sicherheit. Denen bist Du scheißegal. Für sie ist es nur ein Geschäftsmodell. Eine Masche. Sie reden Dir eine Krankheit ein und bieten sich gleichzeitig als Medizin an. Denn wer sich fürchtet, der lässt sich leichter kontrollieren. Der denkt nicht nach. Der ist blind. Der wählt auch eine Partei, die voller Idioten ist. Und sie sagen Dir, dass Deine Ängste erst dann aufhören, wenn Du Dein Kreuzchen an der richtigen Stelle gemacht hast. Aber im Kleingedruckten steht dann, dass Du dafür alle Freiheiten aufgeben musst.
Böse Dinge passieren. Terror passiert, Morde passieren, Diebstähle, Unfälle, Krankheiten passieren. Alles. Aber sie passieren auch trotz der Angst, die Du hast.

Natürlich sollst Du vorsichtig sein, aber es bringt nichts, wenn Du Dir ständig vorstellst, wie Du überfallen wirst und Dich in diesen Stresszustand versetzt. Es macht es schlimmer.
Und ob es wirklich so gut ist, wenn sich jeder im Land bewaffnet?
„Freie Waffen für freie Bürger“, ruft da schon die AFD und wünscht sich amerikanische Verhältnisse.

Am Ende ist es nicht der böse Ausländer, der angeblich nach Deinem Leben trachtet, der dann Pfefferspray oder eine Schrotladung ins Gesicht bekommt, sondern der Herbert von nebenan, der wieder falsch vor der Einfahrt geparkt hat. Und wenn man Pech hat, ist man Herbert.

Politik sollte dafür da sein, um mir die Ängste zu nehmen und nicht, um mir welche zu machen. Sie sollte dafür da sein, dass ich mich besser fühle, nicht schlechter und voller Angst.

Also lasst Euch nicht von Angst leiten und regieren und passt auf Euch auf.

Sahin Karanlik

Über Querdenkmaler

Berufe: Jurist, Musiker, IT-Berater. Hobbies: Web-Aktionismus (seit 1999), Musik, Geschichte, Linguistik, Strategiespiele.
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