[Satire] Drama: Neonazis verhungert – im Schnellimbiss!

Bautzenclaus (Sachsen). Wie erst jetzt bekannt wurde, kam es letzte Woche in der lokalen Burgerbraterei zu einem mehrere Tage währenden, dramatischen Zwischenfall. Unser Auslandskorrespondent Pietro-Pino Pinocchiello recherchierte vor Ort und führte das folgende Interview mit Filialleiterin Angelika M. (61):

Frau M., die Bürger von Bautzenclaus waren schockiert, als am vorigen Sonntag zwei nahezu skelettierte Leichname aus Ihrem Restaurant abtransportiert wurden. Wie um alles in der Welt konnte es dazu kommen – in einem Schnellimbiss mit Tonnen von Nahrungsmittelvorräten?

Also es begann am Montagmittag. Da wurde ich von unserem Mitarbeiter Visvanathan D. zu Hilfe gerufen, der die Bestellung zweier Kunden partout nicht verstand. OK, bin ja weit rumgekommen in Deutschland und kenne fast jeden Dialekt.
Ich also: „Guten Tag! Ihre Bestellung bitte!“
Der eine so: „WIR SINN DAS FOLG !!! WIR SINN DAS FOLG !!!“

„Aha“, dachte ich, „also doch ein Einheimischer“, und reagierte flexibel gemäß bewährter DDR-Tradition – ich übersetze Ihnen besser alles ins Hochdeutsche:
„Folg ist leider aus. Aber Volk können Sie nicht haben. Darf es etwas anderes sein?“.
„DEUTSCHLAND DEN DEUTSCHEN !!!“.
Die anderen Gäste guckten schon leicht irritiert wegen der Schreierei.
„Tut mir leid, haben wir nicht und kriegen wir hoffentlich auch nicht wieder rein!“

Tja, so sind sie, die Bewahrer der deutschen Bestellkultur. Hätten Sie nicht ein paar konkrete Vorschläge machen können, die nur eine Ja- / Nein-Anwort erforderten?

Habe ich ja! „Möchten Sie zwei Big Mecker? Schießburger? Oder Doppelklopper? Und als Nachtisch ein paar Braunies?“. Aber da kam nur:
„LÜGENPRESSE !!! LÜGENPRESSE !!!“

McDonalds1

In diesem Schnellimbiss spielte sich das Verbalfiasko ab. Links unten im Bild der Drama-Tisch, an dem alles endete.

OK, so konnte das nicht weitergehen – schon wegen der langen Schlange hinter den beiden. Ich hab’s bei dem anderen versucht in der Hoffnung, dass sein Wortschatz irgendwie größer sei:
„Was möchten Sie denn, mein Herr?“
„AUSLÄNDER RAUS !!! AUSLÄNDER RAUS !!!“
Ich so: „Die kriegen wir erst morgen wieder rein. Was möchten Sie heute?“
„MERKEL MUSS WEG !!! MERKEL MUSS WEG !!!“

Hmm. Klingt, als hätte der wenigstens Ihre Fragen verstanden – wenn auch irgendwie falsch. Ich bewundere Ihre Geduld.

Aber mit der war ich jetzt am Ende!
„Können Sie nicht einmal was sagen, das nicht jeden Tag im Fernsehen kommt?“
„ZICKE ZACKE, HÜHNERKACKE !!!“
OK … absolut zwecklos. Aber wie die Zwe … äh Zecken wieder loswerden? Da kam mir eine Idee, auf die ich echt stolz bin:
„Setzen Sie sich doch bitte an den Tisch dort drüben. Da hat der Führer auch immer gesessen, und abends kommt sogar Bernd Höcke da vorbei. Der kann Ihnen bestimmt weiterhelfen; der kennt ganz viele Wörter“.

Oh Wunder, es funktionierte! Da saßen die beiden dann bis Geschäftsschluss, und bis auf ein penetrantes Magenknurren waren sie auch einigermaßen still. Aber was nun? Es war ein Uhr nachts, und ich wollte abschließen! Mein nächster Geistesblitz:
„Tut mir leid, aber in fünf Minuten werden hier Muselfachkräfte, Frauenschmarotzer und Asylvergewaltiger einquartiert.“
So schnell können Sie gar nicht gucken, wie die draußen waren!

Genial! Und am Dienstag?

Als ich zum Dienst kam, kampierten die beiden auf Isomatten vor der Tür! Natürlich hatte ich wieder eine Idee, aber diesmal klappte es nicht: Die hatten einfach nicht genug Geld dabei, um mein iPhone 6s zu kaufen. Wie hab ich mir in dem Moment ein paar anständige Syrer gewünscht! Und dann … dann wiederholte sich alles genauso wie am Montag.

Ich vermute, auch danach grüßte täglich das Murmeltier?
Ja, so ungefähr … aber Murmeltiere sind viiiel niedlicher!
Hier, nehmen Sie mein Taschentuch, Sie Ärmste.

Naja, im Prinzip haben Sie wirklich recht. Allerdings waren die beiden am Donnerstag schon irgendwie schlanker als zu Beginn. Am Freitag knurrten ihre Mägen wie Presslufthämmer. Am Samstag haben sie es schon nicht mehr bis zur Theke geschafft, sondern sich gleich an den Führer-Höcke-Tisch gesetzt. Und am Sonntagabend habe ich sie dann mit den Köpfen auf der Tischplatte vorgefunden. Verhungert! Die armen Menschen!

Machen Sie sich doch keine Vorwürfe! Sie haben ja wirklich Ihr Bestes getan! Die Polizei hat mir übrigens mitgeteilt, dass die beiden von ihrem Bewährungshelfer schon seit Monaten für einen Deutsch- und Integrationskurs angemeldet waren, aber Sie wissen ja, wie das …

Moment, bitte! Kunde.
„Einen schönen guten Tag, junge Frau. Ich heiße Karim und komme aus Afghanistan. Hätten Sie wohl bitte einen Halal-Burger für mich? Und vielleicht sogar einen Job?“
„Jaaa! Sehr, sehr gerne!“

Über Querdenkmaler

Berufe: Jurist, Musiker, IT-Berater. Hobbies: Web-Aktionismus (seit 1999), Musik, Geschichte, Linguistik, Strategiespiele.
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