Die Helden der Zweiten Reihe: Vocals

Gesang – die älteste, ursprünglichste Form des Musizierens überhaupt. Großer Vorteil: Schon Steinzeitmusiker mussten keine Tausende von Euros in teures Equipment investieren; Stimmbänder gehören nun mal zur Serienausstattung des Menschen. Dennoch sollte nicht jeder davon Gebrauch machen; manche inkl. meiner Wenigkeit kommen halt über die Rolle des Troubadix („Nein! Du singst nicht!“) nie hinaus. Wohl deshalb verehre ich gute Sänger über alles.

Kimberly Davis (Chic)

Bei Chic gibt es nur einen Star: Maestro Nile Rodgers (g), der zusammen mit Jerry Barnes (b) und Ralph Rolle (dr) die wohl beste Rhythmusgruppe der – im weitesten Sinne – Popmusik bildet.
Sängerinnen kommen und gehen. Trotzdem steht und fällt der typische Sound mit ihnen, und Kimberly Davis ist m.E. die beste Chic-Frontfrau aller Zeiten. Das wird besonders deutlich im Vergleich mit Folami, der anderen Chanteuse. Davis‘ Stimme erinnert stark an Tina Turner mit einem Schuss Aretha Franklin – Soul pur. ❤️
Nur an ihrer Webpräsenz sollte die Gute etwas feilen: Anders als Jodeldiplom-Inhaberinnen hat sie außer einem Twitter-Account nicht Eigenes.

Everybody Dance (live 2013) mit Kimberly Davis (links)
I Want Your Love, dito.

Chance Howard (Candy Dulfer, Solo)

(c) ChanceHoward.com300 pounds of Soul! Auf dem Bild links neben Halle Berry (rechts). 😉
Dieses urige Unikum bearbeitet Keyboards, die vor seiner Breitwandkulisse allesamt recht winzig erscheinen. Zwar macht er das exzellent – aber seine wahre Stärke sind die Vocals. WOW! Soviel Resonanzraum muss sich ja auch irgendwie positiv auswirken.

Howard’s eigene Musik ist irgendwo im R&B angesiedelt – gut gemacht, aber nicht so mein Ding. Seine zweite Hauptrolle ist das alter ego (also jetzt nicht unbedingt optisch) der Saxophonistin Candy Dulfer. Dabei singt er die meiste Zeit nicht wirklich, sondern fungiert eher als MC Jabba the Hutt – aber sowas von …! Faszinierend die relaxte Extase, mit der er seine Kernaussagen Uuuh!, Yeah!, C’mon! unters Volk streut! 🙂

ChanceHoward.com, Musikbeispiele
Candy Dulfer live 2009. Die ganze Show ist hörenswert.
Daylight, live 2009. Lead vocals by Chance Howard! YEEEEAAAAH!
Wer mit dem Klassiker Pick Up The Pieces partout nichts anfangen kann, sollte sich wenigstens diese geniale Lache anhören:
„Plan B“.

Ladies of Soul

Quasi Kimberly Davis mal fünf: Ob Motown-Hits, Funk oder Artverwandtes – dieses Quintett singt dermaßen soulig, dass einem das Herz aufgeht und man sich im Detroit der 70-er wähnt – bis einen bei der ersten Ansage ein leichtes Kratzen im Hals befällt. Denn die Ladies kommen allesamt aus unserem sympathischen Nachbar(hol)land, das in Chechenwaart wie Verchangenheit so viele cheniale Müsiker hervoorchebracht hat. 😉

Bei näherem Hinsehen kommt einem zumindest eine von ihnen sogar bekannt vor: Candy Dulfer (s.o.), die auch talentiert singt. Die vier anderen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, sind allerdings noch besser bei Stimme. Dazu noch eine namenlose, grandiose Band, zuweilen ein Gospelchor sowie der unvermeidliche – genau! – Chance Howard im Rücken, und ab geht die Post!

Wenn bloß diese gruselige Vorliebe niederländischer Pop-Artisten für Medleys nicht wäre! Eine wunderschöne Version von Where Do Broken Hearts Go, die wohl auch Whitney auf ihrer Wolke gefallen würde, nach gefühlten 30 Sekunden brutal abzuwürgen, hat schon was Kettensägenmassakerhaftes! 😦

Trotzdem: Diese Truppe, die nur für 1 – 2 Gigs im Jahr zusammenkommt, ist einfach klasse!

Ladies of Soul Homepage
I’m Coming Out, m.E. nicht schlechter als die Chic-Version
Lady Marmalade, with Natalia Druyts
End of the Road. Warnung: grottiger Sound! Nur als Hinweis darauf, dass es auf Apfel-Musik definitiv und sonstwo hoffentlich genau diesen Song von genau diesem Event (Ziggo Dome 2014) in hervorragender Qualität gibt; Gänsehaut garantiert, Freudentränen optional.

Über Querdenkmaler

Berufe: Jurist, Musiker, IT-Berater. Hobbies: Web-Aktionismus (seit 1999), Musik, Geschichte, Linguistik, Strategiespiele.
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